Blog: Uninvited Hosts

Körperliche Haltungen als Kontaktflächen der Interaktion

SKIZZEN EINER RECHERCHE
AUFGEZEICHNET VON
ANNA-CAROLIN WEBER

Uninvited Hosts.

Als Uninvited Hosts initiieren wir als Künstler:innen Team subtil bis demonstrativ körperliche, räumliche und kommunikative De-Platzierungen an öffentlichen Orten. Wir laden Menschen dazu ein, Zeuge unseres Handelns zu werden – ohne selbst je an diese Orte eingeladen worden zu sein. 

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Über performativ-reflexive Zwischenräume an der Grenze von Alltäglichkeit und Performance erschaffen die Uninvited Hosts einen besonderen Handlungsspielraum: zwischen Einladen und selbst ungeladen sein entsteht ein Oszillieren zwischen Sich-Einlassen und Sich-Abgrenzen, in dem eingenommene Haltung(en) gerade relevant werden, um gemeinsamen Raum neu zu gestalten, zu teilen, einzunehmen oder abzugeben. Welche (körperlichen) Haltungen treffen aufeinander und wie können sich diese gegenseitig befragen und entdecken? Momente des Reagierens, des Verhandelns und des Verarbeitens werden als zentrale Aspekte der Arbeit aktiviert: Machtverhältnisse werden austariert, eingenommene Haltungen fordern heraus.

Wie gestalten körperliche Haltungen öffentlich geteilte soziale, politische, emotionale und sinnliche Wirklichkeiten?

SKIZZEN EINER RECHERCHE

Ritualisierte Zwischenspiele.

Schon mal grundlos eingeladen worden? Schon mal Putzsprechen gepflegt? Blicke gelenkt?

Fronten / Räume / Zustände
in den Moment einbrechen
Brustbein heben, senken, öffnen
Kontaktflächen generieren
Kontaktflächen für Bewegung
Richtung geben und
Richtung nehmen
Blickrichtungen
Zeit haben
geben
dehnen
überflüssig
diese flüssigen Bewegungen
Dinge geraten in Bewegung, Tempo kommt auf
Überschwemmung
des Platzes
mit Freundlichkeiten
Bewegende Begegnung
die Anti-Bewegung






Ab wann wird eine Bewegung zur Performance?

Haltung Substantiv, feminin [die]

  1. [Plural selten] Art und Weise, besonders beim Stehen, Gehen oder Sitzen, den Körper, besonders das Rückgrat, zu halten; Körperhaltung“eine gute, gebückte, gerade, aufrechte, [nach]lässige Haltung“
  2. [Plural selten] innere [Grund]einstellung, die jemandes Denken und Handeln prägt“eine sittliche, religiöse, liberale, progressive, konservative Haltung“

Wahrnehmen – Kommunizieren – Situatives Interagieren

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Haltung im Raum.

Ein Raum entsteht, wenn man Richtungsvektoren, Geschwindigkeitsgrößen und de Variabilität der Zeit in Verbindung bringt. Der Raum ist ein Geflecht von beweglichen Elementen. Er ist gewissermaßen von der Gesamtheit der Bewegungen erfüllt, die sich in ihm entfalten.



„Wir heißen Sie Willkommen auf dem Pariser Platz.“

Im Verhältnis zum Ort wäre der Raum ein Wort, das ausgesprochen wird, das heißt, von der Ambiguität einer Realisierung ergriffen und in einen Ausdruck verwandelt wird, der sich auf viele verschiedene Konventionen bezieht; er wird als Akt einer Präsenz (oder einer Zeit) gesetzt und durch die Transformationen verändert, die sich au den aufeinanderfolgenden Kontexten ergeben.

Im Gegensatz zum Ort gibt es also weder die Eindeutigkeit noch die Stabilität von etwas „Eigenem“.
Insgesamt ist der Raum ein Ort, mit dem man etwas macht. So wird zum Beispiel die Straße, die der Urbanismus geometrisch festlegt, durch die Gehenden in einen Raum verwandelt.“
(Michel de Certeau, Kunst des Handelns, Berlin 1988, S. 218)

„Wir sind hier um Ihnen einen schönen Tag zu wünschen.“

„Wir laden Sie ein – in diesen Moment.“

Anlass

Substantiv, maskulin [der]

1. Veranlassung; Ausgangspunkt; äußerer Beweggrund

„der Anlass des Streites, des Gesprächs“

2. Gelegenheit; Ereignis

„ein willkommener, besonderer Anlass“

ähnlich
1.Anstoß
Ausgangspunkt
Beweggrund
Grund
Quelle
Triebfeder
Ursache
Veranlassung
Wurzel
Motiv
Causa
2.Angelegenheit
Begebenheit
Ereignis
Fall
Gelegenheit
Geschehen
Geschehnis
Okkasion
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Durchlässige Deplatzierung.

Manöver {Kunstgriff; Truppenübung; Scheinmassnahme}.

Wir schwärmen aus. Wir sondieren das Feld. Wir wählen strategische Deplatzierung. Wir verweilen. Wir verändern unsere Haltung. Wir streifen mit dem Blick. Wir warten. Wir nehmen Kontakt auf.




…eine Crew die loszieht, gierig darauf Menschen in den Moment einzuladen. Das einfache Da-Sein, Sich- Zeitnehmen und offen für Begegnungen sein – mal tanzend, sitzend, stehend …

Suchende Offenheit. Selbstbezogenes Versunken-Sein.
Bereitschaft zur ritualisierten Auseinandersetzung. Sondierende Bewegungen.

Modus {bildungssprachlich: Verfahrensweise, Form [des Vorgehens], Weg“ nach einem bestimmten Modus vorgehen“; Philosophie: Art und Weise [des Seins, Geschehens];[Da]seinsweise“die Modi des Seins“}.


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Charming Strangers.

Dasein, Wegsein, Zusammensein … Seinlassen. 
Höfliche Gleichgültigkeit.
Sich die Zeit nehmen.
Durchlässig sein, Charming Strangers.
Getümmel vs. Leere.
Ich fühle mich sicher mit den anderen Hosts um mich herum.
Momente des Kontakts provozieren.
Sich festsetzen, sich adaptieren, sich streuen, sich konzentrieren.
Unkonzentriert.

Wir sind da. Wir sind da für dich – oder auch nicht.

Wir werden zum Bezugspunkt. Wir sind erkennbar.
Wenn wir für etwas stehen, liegen oder sitzen sind wir angreifbar. Wir setzen Orientierungspunkte. Wir arbeiten uns ab an Widerständen. Wir zeigen die Bordstein-Kante.

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Joined in Weirdness.

Spielraum 

          eröffnet
– einen Moment privat sein.

Codes bedienen,
Codes unterlaufen,
keine Codes kennen.

Naiv sein.

Menschen, die Impulse aufnehmen –
die ganze Zeit lächeln,
andere lächeln zurück.

Irritation,
die Leere aushalten,
und aushalten wenn keine Begegnung entsteht. Aushalten, durchhalten, festhalten: Gäste aushalten.

Noch ist der Platz ganz leer, ich warte auf die anderen.
Wie verändert mich dieser Raum?
Ich trage meine Kapuze.
Wie verändere ich mich durch meine Kleidung?





Mich an dem Gegenstand in meiner Hand festhalten.
Jetzt durchhalten.
Der Präsenz standhalten.
Mich selbst aushalten.

Und der Blick, der da wechselt zwischen meinen Händen und dem Außen.

Wir integrieren uns in das Raum-Zeit-Gefüge verschiedener Orte. Wir laden dich ein. Wir sind ein Teil des Raums, und verlassen ihn wieder.


„Uninvited Hosts – Gastgeber einer Performance um die niemand gebeten hat“
eine tänzerische Recherche von und mit

Jennifer Döring | Philine Herrlein | Dennis Alexander Schmitz | Karoline Strys | Anna-Carolin Weber

Unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ – STEPPING OUT, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen der Initiative NEUSTART KULTUR. Hilfsprogramm Tanz.